Flehend lag die 6a um die Weihnachtszeit auf den Knien vor Frau Prof. Musger. Ein Mozartprojekt? Nein, bitte nicht schon wieder der Typ! Doch spätesten im Februar entpuppte sich das mit etwas Angst beäugte Vorhaben als ein interessantes, absolut praxis- bezogenes(das heißt niemand musste des Meisters Biographie auswendig lernen) Projekt des alternativen Radiosenders „Radiofabrik“, das unter dem Namen „Young Mozart Reporters“ schon bei jugendlichen Schülern aus Italien, Frankreich und Deutschland Erfolg verbuchen konnte. Nach der Fertigstellung unserer gemeinsamen Radiosendung, welche die Highlights von „Musik bewegt- Musik belebt“ präsentiert, hatten wir die Möglichkeit das europäische Projekt fortzusetzen um zusammen mit vier italienischen, zwei französischen und zwei deutschen Schülern ein englisches „broadcasting“ auf die Beine zu stellen. Hannah Mayer und meine Wenigkeit hatten als einzige die Ehre (nun gut, eigentlich die Lust, doch das hier offen darzulegen, wäre wohl unpassend) vom 18. bis zum 21. April mit ausländischen Jugendlichen und „radiofabrikantischen“ Könnern ihres Métiers Mozart von allen Seiten neu zu beleuchten.
Wir verbrachten den ersten Abend mit einem netten Kennenlern- Gespräch im gemütlichen Argebeisl, das den Teilnehmern schon die erste Chance gab, untereinander Ideen für die Radiosendung auszutauschen. Am folgenden Tag war es jedoch aus mit dem Herumsandeln: In Gruppen erarbeitete man, unter dem viel umfassenden Thema Mozart, Konzepte für diverse Beiträge zur Sendung. Hannah und mir war klar, dass wir, als etwas unfreiwillige Mozartfreaks, die seit dem Kindsalter unter dem PR-Wahn Salzburgs leiden müssen, die teilweise stumpfsinnige Vermarktung des Genies zum großen Thema unserer Radiosendung machen wollten. Nach dem Brainstorming aller Teilnehmer bildeten sich vier Gruppen: Eine rein italienische Gruppe entschied sich einen Beitrag zum Thema „Italien Mozart- Operas“ zu erarbeiten, eine andere, aus Italienern und Franzosen bestehende Gruppe fixierten „Mozart and the cinema“, die zwei deutschen Mädchen einigten sich auf das Thema „Mozart and fashion“ und die größte Gruppe „Mozart Merchandising“ bestand neben Hannah und mir aus zwei Französinnen und einer Italienerin. Kurz darauf trafen sich die einzelnen Gruppen um fixe Pläne für die jeweiligen Abläufe der Sendungen zu kreieren. Mit roten Köpfen verließen wir dann am Nachmittag die Arge, Heimat der „Radiofabrik“, um den kulturellen Aspekten des (von der EU gesponserten) Projektes nachzugehen und die Ausstellung „Viva Mozart“ am Mozartplatz zu besuchen. Nach jener interessanten und lustigen Auflockerung hatten wir das Vergnügen einem Vortrag eines begnadeten Mozartkenners zu lauschen. Der gelehrte Mensch versetzte uns mit seinem grenzenlosen Wissen über Mozart, Geschichte und Musik in Staunen und begeisterte nicht nur mit dem Auswendigkönnen des gesamten Köchelverzeichnisses.
Am nächsten Tag begannen wir schon früh mit der Produktion von Interviews mit Einheimischen und Touristen, kritischen Kommentaren zur Vermarktung, banalen Moderationstexten, einer Top Ten Liste der nutzlosen Mozartprodukten und der Auswahl der Musikstücke, mit welchen wir unsere Sendung zu schmücken gedachten. Bis zum Abend wurde geschuftet und geackert, dann besuchten wir die Landestheaterinszenierung von Mozarts „La Finta Giardiniera“, die von den italienischen Teilnehmern stark kritisiert wurde.
Traurig, aber wahr: Der letzte Tag stand vor der Tür. Am Freitag gaben wir unseren Texten den letzten Schliff um dann die gesamte englische Sendung im Tonstudio der „Radiofabrik“ aufzunehmen. Doch auch wenn wir nun dem Projekt den Rücken kehrten, war den zufriedenen und stolzen europäischen Teilnehmern klar, dass uns jene Tage ein Stück mehr Kultur gezeigt haben, wir unsere Fremdsprachenkenntnisse vertiefen, wie neue Kontakte ins Ausland knüpfen konnten, und neben all dem auch Master Mozart ein bisschen sympathischer für uns geworden ist.
Julia Riedler(6a)









